Dr. Daniel Wolf
ASTRA TECH IMPLANT SYSTEM

Ein Implantatdesign, das dem marginalen Knochen folgt

Akzeptanzsteigerung einer Implantattherapie durch Vermeidung knochenaufbauender Maßnahmen mithilfe des OsseoSpeed Profile EV-Implantats

ZUSAMMENFASSUNG

Patient:
Ein 46-jähriger Patient wünschte sich die implantatprothetische Versorgung der Freiendsituation in regio 46. Nach dem Zahnverlust ein Jahr zuvor wurde er prothetisch nicht versorgt. Aufgrund der fehlenden Druckbelastung war es dort zu einem starken Knochenverlust gekommen.

Herausforderung:
Die Auswertung der DVT zeigte den starken horizontalen Knochendefekt in regio 46. Der Patient wollte jedwede knochenaufbauenden Maßnahmen vermeiden und auf geradlinigem Weg einen festen Zahnersatz.

Behandlung:
Geplant wurde die Insertion eines OsseoSpeed Profil EV-Implantats. Dieses Implantat folgt in seinem Design der Anatomie eines abgeschrägten Kieferkamms. Die Abschrägung der Implantatschulter verläuft adäquat zum abgeflachten bukkalen Kieferknochen. Mit der Insertion dieses Implantats konnte eine Knochenaugmentation umgangen werden. Die prothetische Versorgung erfolgte mit einem patientenindividuellen Abutment (Atlantis) und einer vollkeramischen Krone. Nach einer sechsmonatigen Einheilzeit bestätigte sich der optimale Knochenerhalt im marginalen Bereich.

In vielen Situationen muss vor beziehungsweise bei einer Implantatinsertion der Kieferknochen aufgebaut werden, um zum Beispiel das Implantat vollständig im Knochen zu umfassen. Dies ist mit einem erhöhten chirurgischen Aufwand und daraus resultierend mit Mehrkosten sowie häufig einer längeren Therapiedauer verbunden. Die Patientenakzeptanz der Implantattherapie sinkt dadurch. Idealerweise kann ein zusätzlicher chirurgischer Aufwand aber verhindert werden. Vorgestellt wird das OsseoSpeed Profil EV-Implantat von Dentsply Sirona Implants. Anstatt den Kieferknochen dem Implantat anzupassen, ist dieses Implantat vom Design her entsprechend der Kieferkammanatomie konzipiert.

DAS IMPLANTATDESIGN

In vielen Situationen erschwert ein schräg atrophierter Kieferkamm die effiziente Implantatinsertion. Grundsätzlich resorbiert aufgrund der fehlenden Druckbelastung nach einem Zahnverlust der marginale Knochen. Die Resorption kann auf der vestibulären Seite schneller voranschreiten als im lingualen/palatinalen Bereich. Das Ergebnis ist ein abgeschrägter Kieferkamm, der das Erreichen eines zufriedenstellenden implantatprothetischen Ergebnisses erschwert. Wird ein Implantat mit konventionellem Design auf Höhe des bukkalen marginalen Knochens platziert, fehlt die biomechanische Unterstützung im lingualen/palatinalen Bereich. Eine Knochenremodellierung, ein Knochenverlust sowie ein Rückgang des Weichgewebes sind die Folgen. Wird das Implantat jedoch auf Höhe des lingualen/palatinalen marginalen Knochens platziert, ragt es auf der bukkalen Seite über den Knochen. Bei beiden Varianten wird unter anderem das ästhetische Ergebnis beeinträchtigt. Den Knochen im entsprechenden Bereich aufzubauen, ist ein Lösungsweg. Allerdings entspricht der höhere Aufwand nicht dem Grundgedanken einer minimalinvasiven Implantologie. Es erscheint daher sinnvoll, in den schräg atrophierten Kieferkamm ein Implantat zu inserieren, das im Design der Situation angepasst ist. Das OsseoSpeed Profile EV-Implantat folgt im Schulterbereich der natürlichen Form eines abgeschrägten Kieferkammprofils. Das Ergebnis ist eine hohe Ästhetik bei optimalem Erhalt des marginalen Knochens. Je nach Implantatdurchmesser und -design beträgt die Höhendifferenz im Schulterbereich zwischen 1,3 und 1,7 mm. Der Erhalt des bukkalen und lingualen Knochenniveaus ist in mehreren Studien untersucht worden.1-3

PATIENTENFALL

AUSGANGSSITUATION

Ein Patient wurde mit dem Wunsch nach einer zeitnahen stabilen und ästhetischen Versorgung einer Freiendsituation im Unterkiefer vorstellig. Dem 46-jährigen Mann musste zirka ein Jahr vor der Erstkonsultation in unserer Praxis der Zahn 46 extrahiert werden. Die natürlichen Nachbarzähne waren gesund, sodass eine Präparation für eine Brücke mit Anhänger nicht in Frage kam. Der Patient wurde über die Möglichkeiten einer Implantattherapie aufgeklärt. Er betonte, dass er knochenaufbauende Maßnahmen und eine damit verbundene zusätzliche Belastung vermeiden möchte.

PLANUNG

Im DVT deutlich erkennbar war der krestale Knochenverlust im bukkalen Kieferkammbereich (Abb. 1). Um einen Knochenaufbau zu vermeiden, sollte das OsseoSpeed Profile EV-Implantat mit seinem speziell der Anatomie angepassten Design inseriert werden. Es wurde ausreichend vertikale Knochenhöhe über dem Canalis mandibulae diagnostiziert, sodass ein Implantat mit 9 mm Länge gewählt werden konnte. Für eine ausreichende mechanische Stabilität ist insbesondere im Seitenzahnbereich (wegen der hohen Kaukräfte) ein möglichst breites Implantat einzusetzen, in diesem Fall mit dem Durchmesser 4,8 mm.

INSERTION

Nach einer Lokalanästhesie erfolgte die Freilegung des Kieferkamms und die stufenweise Präparation des Knochens. Die Aufbereitung wurde entsprechend dem Protokoll vorgenommen. Hinsichtlich der Insertion des OsseoSpeed Profil EV-Implantats sind einige Besonderheiten zu beachten. Das abgeschrägte Implantatdesign ist nur in einer Position optimal platziert, und zwar bei korrekter vertikaler Position und der Implantatausrichtung in Relation zum Knochenniveau. Daher muss das Platzieren des Implantats sorgfältig durchgeführt werden und das Implantat bündig mit dem niedrigsten Knochenniveau abschließen. Nur so kann der marginale Knochen rund um das Implantat der biomechanischen Abstützung dienen. Mit einem speziellen Implantat-Eindreher (Implant Driver Profile EV) wurde das Implantat mit dem Winkelstück aufgenommen und die abgeflachte Seite des Eindrehers auf den tiefsten apikalen Punkt der Implantatschulter ausgerichtet. Nach dem Aktivieren der Haltefunktion konnte das Implantat bei langsamer Umdrehungszahl und unter Kühlung inseriert werden. Der Implantat-Eindreher wurde mittels Drehmomentratsche (Torque Wrench EV) arretiert und der korrekte Sitz geprüft. Die Farbmarkierung schloss exakt mit dem Ratscheneinsatz ab. Die korrekte Positionierung des Implantats erfolgte, indem die Markierung des Implantat-Eindrehers auf den tiefsten apikalen Punkt der Implantatschulter ausgerichtet wurde. Nun wurde der Implantat-Eindreher gelöst und die Verschluss-Schraube eingesetzt (Abb. 2a und b). Nach dem Vernähen der Situation konnte der Patient aus der Praxis entlassen werden.

  • Abb. 1: Im DVT deutlich sichtbarer
    krestaler Knochenverlust im bukkalen
    Kieferkammbereich regio 46
  • Abb. 2a: OsseoSpeed Profile EV-Implantat
    in situ. Durch die abgeschrägte Implantatschulter ergibt sich ein optimaler Übergang zum bukkalen Knochen.
  • Abb. 2b: OsseoSpeed Profile EV-Implantat in situ mit Einheilkappe
  • Abb. 3: Das postoperative Röntgenbild
    zeigt die korrekte Implantatposition.
  • Abb. 4: Drei Monate nach der Insertion:
    Situation mit individuellem Abutment –
    optimaler Knochenerhalt im Bereich der Implantatschulter
  • Abb. 5: Nach sechsmonatiger Tragezeit der vollkeramischen Implantatkrone: Gesunde periimplantäre Verhältnisse und eine
    Verdickung der Mukosa („Profile-Effekt“)

PROTHETISCHE VERSORGUNG

Nach einer dreimonatigen Einheilzeit zeigten sich in regio 46 eine stabile Situation und ein optimaler Knochenerhalt im Bereich der Implantatschulter (Abb. 3). Nach dem Einbringen des Abdruckpfostens wurde die Situation abgeformt, das Modell hergestellt und im Atlantis-Fertigungszentrum von Dentsply Sirona ein individuelles Abutment geordert. Wenige Tage nach der Freigabe des Abutment-Designs erhielten wir das hergestellte patientenindividuelle Titan-Abutment. Nach Entfernen der Einheilkappe wurde das Abutment auf das Implantat aufgebracht (Abb. 4). Aufgrund der Indexierung war eine sichere und präzise Platzierung gewährleistet. Vom Zahntechniker wurde im üblichen Vorgehen eine vollkeramische monolithische Krone hergestellt, die in der Praxis definitiv zementiert worden ist.

ZUSAMMENFASSUNG

Im dargestellten Fallbeispiel konnte das Implantat trotz eines deutlich sichtbaren krestalen Knochenverlusts im bukkalen Bereich des Kieferkamms ohne zusätzliche knochenaufbauende Maßnahmen inseriert werden. Nach sechsmonatiger Tragezeit zeigten sich gesunde periimplantäre Verhältnisse und eine spontane Verdickung der Mukosa, welche auch als „Profile-Effekt“ bezeichnet werden kann (Abb. 5).

FAZIT

Jedwede knochenaufbauenden Maßnahmen erhöhen den Behandlungsaufwand und verringern die Akzeptanz einer Implantattherapie seitens des Patienten. Mit dem OsseoSpeed Profile EV-Implantat kann bei einer abgeschrägten Anatomie des Kieferkamms das vorhandene Knochenangebot bestmöglich genutzt und so in vielen Fällen eine Augmentation umgangen werden. Das Implantatdesign folgt im Schulterbereich der natürlichen Form eines abgeschrägten Kieferkammprofils. Im Zusammenspiel mit einem patientenindividuellen Abutment (zum Beispiel Atlantis) kann so ein optimales funktionell-ästhetisches Ergebnis mit vergleichsweise geringem Aufwand erzielt werden.

Abrechnung

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    Dr. Daniel Wolf

    Zahnarztpraxis Peter & Wolf
    Implantologie und Oralchirurgie
    Luzern / Schweiz
    www.peterundwolf.ch