Dr. Friedemann Petschelt
ASTRA TECH IMPLANT SYSTEM

Einfache implantatprothetische Versorgung eines zahnlosen Kiefers

SmartFix-Konzept für die festsitzende Sofortversorgung im zahnlosen Kiefer mit dem Astra Tech Implant System EV

ZUSAMMENFASSUNG

Patient:
Der 72-jährige Patient war unzufrieden mit dem vorhandenen Zahnersatz im zahnlosen Unterkiefer. Die abnehmbare Prothese hatte eine hohe Mobilität und entsprach ästhetisch sowie funktionell nicht mehr den Anforderungen des Patienten an einen Zahnersatz. Der Wunsch war eine festsitzende Lösung.

Herausforderung:
Dem Wunsch nach einer festsitzenden Rekonstruktion stand der hohe Aufwand einer implantatprothetischen Behandlung entgegen. Der Patient wollte eine lange Therapiezeit ebenso umgehen wie umfangreiche chirurgische Maßnahmen. Außerdem betonte er, dass eine hohe finanzielle Investition nicht zu leisten wäre.

Behandlung:
Im Sinne des Sofortversorgungskonzepts SmartFix wurden vier Implantate (Astra Tech Implant System EV) inseriert und am Tag des chirurgischen Eingriffs ein temporärer langlebig-stabiler festsitzender Zahnersatz eingesetzt. Der vorhandene Knochen wurde durch das schräge Einbringen der posterioren Implantate optimal genutzt und knochenaufbauende Maßnahmen konnten verhindert werden. Das zeit- und kosteneffiziente Vorgehen erfüllte die Ansprüche des Patienten.

Manchmal ist weniger mehr! Gerade bei älteren Patienten können eine Reduktion der Behandlungsschritte und ein damit verbundener geringerer Zeit- sowie Kostenaufwand die Entscheidung für eine Implantattherapie positiv beeinflussen. Viele zahnlose oder gering bezahnte Patienten wünschen sich einen festsitzenden Zahnersatz. Auch von Seiten des Zahnarztes wird eine festsitzende Versorgung angestrebt, da die Vorteile gegenüber einem herausnehmbaren Zahnersatz überwiegen. Oft stehen diesem Wunsch ein hoher chirurgischer Aufwand, ein langer Therapieweg und zahlreiche Behandlungssitzungen entgegen. Daher haben sich in den vergangenen Jahren verschiedene Sofortversorgungskonzepte etabliert, zum Beispiel das SmartFix-Konzept von Dentsply Sirona Implants. Die klinischen Erfolgsraten sind hoch und die Erfahrungen im Praxisalltag gut.

Das SmartFix-Konzept ist ein einfaches implantatprothetisches Verfahren, das auf dem Protokoll der Sofortversorgung des zahnlosen Kiefers mit verschraubten Brücken oder Stegen basiert. In der Regel sind im Unterkiefer vier und im Oberkiefer bevorzugt sechs Implantate zur Fixierung des Zahnersatzes ausreichend. Angulierte Aufbauten sorgen für die sichere sowie funktionell und ästhetisch optimale Positionierung der Suprastruktur. Aufgrund einer geneigten Insertion der posterioren Implantate können das vorhandene Knochenniveau optimal genutzt und Knochenaugmentationen verhindert werden. Von den chirurgischen Aspekten aus betrachtet, unterscheidet sich das SmartFix-Konzept nur marginal von anderen Sofortversorgungsprotokollen. Hingegen bieten die prothetischen Komponenten deutliche Vorzüge und einen effizienten Behandlungsablauf.

Spezielle SmartFix-Retentionskappen gewähren eine Abformung auf Abutmentniveau. Das Erstellen der temporären langlebigen Sofortversorgung wird somit deutlich vereinfacht. Die Kappen können bei Bedarf auch in die vorhandene Prothese oder Brücke einpolymerisiert werden, wodurch sich das ohnehin schon effiziente Konzept zusätzlich vereinfacht. In eine doppelseitig verwendbare Einbringhilfe sind die zweiteiligen Aufbauten vormontiert. Da die Einbringhilfe aus dem Material PEEK und somit biegbar ist, lässt sie sich gut der Mundsituation anpassen. So ist ein problemloses Einsetzen der angulierten Aufbauten möglich. Vorteilhaft ist auch, dass der filigrane Aufbau der Retentionskappen einen optimalen Gestaltungsspielraum für die Suprastruktur bietet. Seit Kurzem ist das bewährte SmartFix-Konzept für das Astra Tech Implant System EV verfügbar. Eine ideale Ergänzung – insbesondere für die anguliert eingebrachten distalen Implantate – stellen dabei die nur bei diesem System verfügbaren OsseoSpeed Profile EV-Implantate mit der schrägen Implantatschulter dar. Die Profile-Implantate sind daher trotz angulierter Insertion krestal bündig mit dem Knochen. So wird das attraktive Behandlungskonzept für eine noch größere Zielgruppe zugänglich gemacht. Die Vorzüge eines modernen Implantatsystems werden mit den Stärken eines prothetisch durchdachten Konzepts vereint. Anhand eines Patientenfalls wird der Behandlungsablauf dargestellt.

PATIENTENFALL

THERAPIEANSATZ

Der 72-jährige Patient konsultierte die Praxis mit einem zahnlosen Ober- und Unterkiefer. Bislang war der Patient mit herausnehmbaren Prothesen versorgt, die jedoch im Unterkiefer nicht mehr die Ansprüche an einen adäquaten Zahnersatz erfüllten. Gewünscht war eine festsitzende implantatprothetische Versorgung, die mit vergleichsweise wenig Aufwand realisiert werden kann. Nach der klinischen und radiologischen Diagnostik sowie dem Aufzeigen der Behandlungsoptionen fiel die Entscheidung für die implantatprothetische Sofortversorgung des zahnlosen Unterkiefers nach dem SmartFix-Konzept (Abb. 1). Um die Kosten weitestgehend zu reduzieren, sollte die vorhandene Prothese zur festsitzenden Sofortversorgung umgebaut werden. Im Oberkiefer sollte der abnehmbare Zahnersatz vorerst verbleiben. Eine Versorgung nach dem gleichen Konzept ist angedacht, insbesondere nach einem erfolgreichen Abschluss der Behandlung im Unterkiefer.

CHIRURGISCHER EINGRIFF

Die Unterkiefer-Prothese bot die Vorlage für die virtuelle Planung der Implantatpositionen. Basierend auf einem dreidimensionalen Bild wurden vier Implantate in den ortsständigen Knochen geplant und eine Implantat-Bohrschablone (Simplant SafeGuide) geordert. Am Tag des chirurgischen Eingriffs sind der Kieferkamm im schonenden Verfahren freigelegt und die Passung der knochengetragenen Bohrschablone geprüft worden. Entsprechend dem Bohrprotokoll erfolgte die initiale Aufbereitung für die Insertion der vier Implantate (Astra Tech Implant System EV) mit den zum System gehörenden Kortikalis- und Initialbohrern (Abb. 2).
Der sogenannte X-Bohrer unterstützte bei der Präparation des Implantatbetts (Abb. 3). Die beiden anterioren Implantate konnten mithilfe der Bohrschablone und des Implantat-Eindrehers EV eingebracht werden (Abb. 4 und 5). Die posterioren Implantate wurden ohne Schablone entsprechend der Planung schräg (im Winkel von zirka 40 Grad) in den Knochen inseriert (Abb. 6). Alle vier Implantate hatten eine für die Sofortbelastung ausreichende Primärstabilität mit hohem Drehmoment.

 

  • Abb. 1: Zahnloser Unterkiefer vor der Insertion der Implantate
  • Abb. 2: Aufbereiten des Implantatbetts regio 42 mit Bohrschablone
  • Abb. 3: Präparation des Knochens für die Insertion des Implantats
  • Abb. 4: Das Implantat vor der Insertion mit Navigationseinbring-Adapter

PROTHETISCHE VORARBEIT

Um die zweiteiligen Multibase EV-Aufbauten auf den Implantaten zu fixieren, bewiesen sich die „cleveren“ Einbringhilfen aus PEEK als vorteilhaft. Auf der einen Seite der Einbringhilfe befindet sich der Aufbaukörper, und am anderen Ende ist der Aufbaukopf vormontiert. Insbesondere beim Verschrauben auf den posterioren Implantaten waren die biegbaren Eigenschaften der Einbringhilfe hilfreich (Abb. 7). Die vier Aufbaukörper wurden nacheinander mit den Implantaten definitiv verschraubt (Abb. 8), und es wurde darauf geachtet, dass die Plattformen der Aufbauten in etwa parallel zur Kauebene positioniert waren. Bei den schräg eingesetzten distalen Osseo-Speed Profile EV-Implantaten besitzen die SmartFix-Abutments keine rotationssichernde Indexierung. Dadurch können die Aufbauten ideal der Einschubrichtung angepasst werden. Ist diese erreicht, wird mit der Ratsche die sichere, drehstabile Verankerung durch die Konusverbindung ermöglicht. Nach einer Passungskontrolle der Aufbaukörper auf den Implantaten konnten die Einbringhilfen abgenommen und um 180 Grad gedreht werden, um den Aufbaukopf aufzusetzen (Abb. 9). Dieses Vorgehen ist einfach und gut durchdacht für den klinischen Ablauf. Nach dem handfesten Verschrauben des Aufbaukopfs wurde die Einbringhilfe einfach abgeknickt und entfernt, und mit dem Implantat-Eindreher sind die Aufbauköpfe mit 24 Ncm festgezogen worden. Anschließend erfolgte der Wundverschluss (Abb. 10).

  • Abb. 5: Schablonengeführte Insertion des Implantats regio 42
  • Abb. 6: Insertion des posterioren
    Profile-Implantats (schräg inseriert)
  • Abb. 7: Aufsetzen des Aufbaukörpers mit Einbringhilfe (biegbare Eigenschaften)
  • Abb. 8: Alle vier Aufbaukörper sind auf den Implantaten mit definitivem Drehmoment verschraubt.
  • Abb. 9: Aufsetzen der Aufbauköpfe
    mit Einbringhilfe bei zufriedenstellender
    paralleler Ausrichtung
  • Abb. 10: Die mit den Implantaten verankerten Verschlusskappen nach dem Nahtverschluss
  • Abb. 11: Passungskontrolle der zum
    Verkleben vorbereiteten Prothese
  • Abb. 12: Situation mit Multibase-
    Abdruckpfosten

LANGLEBIERG ZAHNERSATZ

In der Zwischenzeit hatte das Dentallabor die vorhandene Prothese umgearbeitet und die Bereiche der Implantate großzügig ausgeschliffen. Der einst herausnehmbare Zahnersatz sollte zum festsitzenden Zahnersatz umgearbeitet werden. Um ein sicheres Platzieren des Zahnersatzes im Mund zu gewährleisten, wurden auch die Randbereiche (Funktionsränder) gekürzt (Abb. 11). In der Praxis wurden die Multibase EV Abdruckpfosten auf die Implantate geschraubt (Abb. 12) und der ausgeschliffene Zahnersatz in den Mund eingesetzt. Mit einem Kaltpolymerisat erfolgte das Verkleben der Abdruckpfosten mit der Prothese (Abb. 13). Nach dem Aushärten konnten die Abformpfosten von den Implantaten gelöst und der Zahnersatz, der sozusagen als individueller Abdrucklöffel diente, entnommen werden. Der Zahntechniker arbeitete die Prothese innerhalb kurzer Zeit zu einer verschraubbaren Brücke um. Wenige Stunden nach der Insertion der Implantate konnte der temporäre Zahnersatz fest eingegliedert werden (Abb. 14). Der Patient wurde instruiert, bis zur Nahtentfernung zweimal täglich antibakterielle Mundspülung anzuwenden und zirka zwei Wochen lang nur weiche Kost zu sich zu nehmen (Abb. 15 und 16). Nach der Nahtentfernung erhielt er detaillierte Pflegehinweise und die Empfehlung zum regelmäßigen Recall.

  • Abb. 13: Verkleben der Abdruckpfosten und der Prothese mit einem Kaltpolymerisat

  • Abb. 14: Verschrauben des umgearbeiteten Zahnersatzes mit den Implantaten am Tag des operativen Eingriffs
  • Abb. 15: Klinische Situation ein Tag nach dem chirurgischen Eingriff
  • Abb. 16: Röntgenkontrollbild
  • Abb. 17: Situation nach fünf Monaten
  • Abb. 18: Basale Ansicht des Zahnersatzes nach Unterfütterung fünf Monate nach der Implantatinsertion

FAZIT

Mit dem vorgestellten Behandlungskonzept kann der chirurgische, zeitliche und finanzielle Aufwand einer Implantatbehandlung im zahnlosen Kiefer reduziert werden. Das Vorgehen ist kosteneffizient, was zu einer hohen Zufriedenheit beiträgt. Zudem entfällt die klassische, mit einem abnehmbaren Provisorium überbrückte Implantateinheilphase. Der Patient wird am Tag des chirurgischen Eingriffs mit einem festsitzenden Zahnersatz aus der Praxis entlassen. Das Sofortversorgungskonzept SmartFix – seit Kurzem auch für das Astra Tech Implant System EV erhältlich – ist hinsichtlich der chirurgischen und prothetischen Aspekte optimal auf den klinischen Alltag abgestimmt, unkompliziert und sicher. Patienten profitieren von einer schnellen, übergangslosen und kostenreduzierten implantatprothetischen Versorgung mit einem festsitzenden Zahnersatz.

Abrechnung

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    Dr. Friedemann Petschelt

    Fachzahnarzt für Oralchirurgie
    Gemeinschaftspraxis
    Dr. Petschelt und Kollegen
    Lauf an der Pegnitz
    www.petschelt.de