Dr. Mischa Krebs | Andrea Jagdt | ZTM Ralph Müller
ATLANTIS, ASTRA TECH IMPLANT SYSTEM, SIMPLANT

Das Immediate-Smile-Konzept im Unterkiefer-Seitenzahnbereich

Simplant-Planung eines Astra Tech Implant System EV und eines OsseoSpeed Profile EV-Implantats mit Atlantis Abutments

ZUSAMMENFASSUNG

Patient:
Ein 43-jähriger Patient mit einer Schaltlücke in regio 35/36 wurde von seiner Hauszahnärztin zur implantologischen Versorgung überwiesen.
Herausforderung:
Die alte Brückenversorgung war von der überweisenden Kollegin wegen Verlust des Zahns 35 entfernt worden. Im Bereich der Schaltlücke war der Kieferkamm bereits horizontal und vertikal atrophiert. Der Patient wünschte einen festsitzenden ästhetischen Zahnersatz, lehnte jedoch augmentative Maßnahmen zur Wiederherstellung eines ausreichenden Knochenvolumens ab.
Behandlung:
Wir inserierten ein Astra Tech Implant System 
EV-Implantat der Größe 4,2 x 11 mm regio 35 sowie ein Profile EV-Implantat 4,2 x 11 mm regio 36, um den in diesem Bereich schräg atrophierten krestalen Knochen optimal unterstützen zu können.

Nach Verlust der natürlichen Zähne kommt es immer zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Atrophie des Kieferkamms. Dieser Knochenverlust ist besonders ungünstig im Bereich der ästhetischen Zone des Oberkiefer-Frontzahnbereichs. Aber auch im Seitenzahnbereich mit einer meist von oral nach bukkal reichenden Abschrägung des krestalen Knochens ist der Knochenverlauf für eine suffiziente prothetische Versorgung ungünstig. Wird ein Implantat mit gerader Schulter in diesem Bereich auf Höhe des niedrigen bukkalen Knochenniveaus inseriert, kann der orale Anteil nicht vom Implantat unterstützt werden, sodass es zu weiterem Knochenabbau in diesem Bereich kommen kann und vertikale Knochenhöhe verloren geht. Durch die tiefere Insertion des Implantats würde dann die Höhe der prothetischen Rekonstruktion verlängert. Dies führt zu ungünstigen höheren Kräften im Bereich der Implantat-Abutment-Verbindung. Bei einer Platzierung der Implantatschulter auf dem Level des höheren oralen Knochenkamms ragt das Implantat bukkal über das Knochenniveau hinaus, was zu einem unschönen Durchscheinen des Implantats durch die Schleimhaut führen kann. Eine Augmentation zur Beseitigung des Volumenverlusts wird von Patienten häufig abgelehnt. Dieses Vorgehen ist mit einer umfangreicheren Operation, dem Einbringen von Knochenersatzmaterialien, erhöhter Morbidität (Schwellung) und verlängerter Behandlungszeit verbunden. Ferner steigen hierdurch die Kosten der Gesamtbehandlung deutlich an. In diesen Fällen hat sich das OsseoSpeed Profile EV-Implantat des Astra Tech Implant System mit seiner abgeschrägten Implantatschulter ausgezeichnet bewährt: Es unterstützt den abgeschrägt verlaufenden krestalen Knochen zirkulär und kompensiert so wirkungsvoll die geschilderten Nachteile eines Implantats mit gerader Schulter. 

FALLBERICHT

Ein 43-jähriger männlicher Patient in gutem Allgemeinzustand wurde in unsere Praxis überwiesen. Er stellte sich mit einer Schaltlücke regio 35/36 vor. Die alte Brückenversorgung hatte die überweisende Kollegin wegen des Verlusts des mesialen Pfeilers 35 bereits entfernt. Klinisch waren eine horizontale und vertikale Atrophie des Kieferkamms im Bereich der Schaltlücke sowie leichte Entzündungsanzeichen an der Schleimhaut zu erkennen (Abb. 1). Der Patient wünschte eine implantatprothetische Versorgung der Lücke, lehnte jedoch augmentative Maßnahmen zur Verbesserung der Knochensituation in diesem Bereich ab. Nach einer Situationsabformung wurde das Modell gescannt und die Daten in die Planungssoftware Simplant 17 übertragen (Abb. 2). Die Daten des in der gleichen Sitzung angefertigten DVT wurden ebenfalls in die Software überspielt und ermöglichten so eine Darstellung der knöchernen Situation des Operationsgebiets (Abb. 3). Die Situation der gematchten Daten von Weichgewebe und den knöchernen Strukturen zeigt Abbildung 4. Anhand dieser zusammengeführten Daten erstellte die Planungssoftware einen Entwurf für eine Bohrschablone zur computerunterstützten Insertion der Implantate (Abb. 5). Anschließend erfolgte die Planung der Implantatpositionen im Knochen. Abbildung 6 zeigt die virtuelle Insertion des OsseoSpeed Profile EV-Implantats in regio 36 und die optimale Unterstützung des krestalen Knochens durch den abgeschrägten Verlauf der Implantatschulter. Das Implantat in regio 35 mit Darstellung der prothetischen Implantatachse ist in Abbildung 7 deutlich zu erkennen. Nach Planung der Implantatpositionen wurde auch der Sitz der geplanten Bohrschablone von der Software dargestellt (Abb. 8). Zum Abschluss der Planung generierte die Simplant-Software ein virtuelles OPG zur Darstellung des gesamten Unterkiefers mit der exakten Lage der Implantate, der Bohrschablone und der prothetischen Achsen der Implantate (Abb. 9). Diese Planungsdaten wurden anschließend an das Fertigungszentrum der Atlantis Abutments übermittelt und dort in das VAD-Planungsprogramm (Virtual Abutment Design) für individuelle Abutments eingespielt. So konnten auch die Abutments geplant werden, wobei die Ränder exakt dem Weichgewebe folgen und dieses somit optimal unterstützen (Abb. 10 und 11). Die Planung der Abutments wurde an Zahnarzt und Zahntechniker übermittelt und nach deren Freigabe die Herstellung im Fertigungszentrum vorgenommen, anschließend die Abutments ausgeliefert (Abb. 12). In diesem Fall wurden die Abutments aus mit Nitrid beschichtetem Titan gefertigt (Abb. 13).

  • Abb. 1: Klinische Ausgangssituation
  • Abb. 2: Darstellung der klinischen Ausgangssituation in der Simplant- 17-Software
  • Abb. 3: Darstellung der knöchernen Situation
  • Abb. 4: Match der Daten aus Abbildung 2 und 3
  • Abb. 5: Planungsentwurf der Software für die Bohrschablone
  • Abb. 6: Planung des OsseoSpeed Profile EV-Implantats in regio 36
  • Abb. 7: Planung des Implantats in regio 35
  • Abb. 8: Schematische Darstellung von Implantat und Bohrschablone
  • Abb. 9: Aus Simplant generiertes virtuelles OPG des gesamten Unterkiefers
  • Abb. 10: Planung der individuellen Abutments in der Atlantis VAD-Software
  • Abb. 11: Darstellung der geplanten Abutments
    in unterschiedlichen Perspektiven zur optimalen Beurteilung
  • Abb. 12: Auslieferung der gefertigten Abutments und Befestigungsschrauben
  • Abb. 13: Fertiges Abutment aus mit Nitrit beschichtetem Titan

CHIRURGISCH-PROTHETISCHES VORGEHEN

Nach Auslieferung der Bohrschablone und der Abutments wurden die Implantatlager gemäß dem Bohrprotokoll des Herstellers geführt aufbereitet (Abb. 14) und die Implantate inseriert (Abb. 15). Anschließend wurden die Abutments auf den Implantaten verschraubt und die Schraubkanäle mit Wachs verschlossen (Abb. 16 und 17). Die Kontrollröntgenaufnahme nach Eingliederung der Implantate und Abutments zeigt die exakte Platzierung der Implantate und den epikrestalen Verlauf der Implantatschultern zur optimalen zirkulären Unterstützung des krestalen Knochens (Abb. 18). Die zwischenzeitlich im Labor auf dem digitalen Datensatz der Abutments (Core File) gefertigten provisorischen CAD/CAM-Kronen aus Composite wurden noch in der gleichen Sitzung eingegliedert (Abb. 19). Nach einer achtwöchigen Tragezeit der Provisorien zeigte sich ein gesundes und völlig reizfreies periimplantäres Weichgewebe (Abb. 20). Das ästhetisch ausgeformte Durchtrittsprofil um die Abutments war nach Abnahme der Provisorien schön zu sehen (Abb. 21). Abbildung 22 zeigt die Anprobe der im Labor ebenfalls auf dem digitalen Datensatz (Core File) gefertigten Zirkondioxidgerüste in anatomischer Ausformung für eine gleichmäßige Schichtstärke der Verblendkeramik zur optimalen Höckerunterstützung. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine sichere Vermeidung von Chipping-Problemen. Die definitive prothetische Versorgung mit den beiden Vollkeramikkronen lieferte ein optimales ästhetisches Ergebnis und schöne gesunde Weichgewebsverhältnisse (Abb. 23).

  • Abb. 14: Geführte Aufbereitung des Implantatlagers
  • Abb. 15: Implantat in regio 36 in situ
  • Abb. 16: Auf den Implantaten verschraubte Abutments, mit Wachs verschlossene Schraubkanäle
  • Abb. 17: Okklusale Ansicht der Abutments in situ
  • Abb. 18: Kontrollröntgenaufnahme unmittelbar nach Insertion der Implantate und Befestigung der Abutments
  • Abb. 19: Im Labor gefertigte provisorische Krone 35
  • Abb. 22: Anprobe der Zirkondioxid- Kronengerüste in anatomischer Ausformung
  • Abb. 21: Situation nach Abnahme der Provisorien
  • Abb. 22: Anprobe der Zirkondioxid- Kronengerüste in anatomischer Ausformung
  • Abb. 23: Definitive Zirkondioxidkronen in situ: ausgesprochen ästhetisches Ergebnis und gesunde Weichgewebsverhältnisse

FAZIT

Atrophierte Kieferkammbereiche – im Frontzahn- ebenso wie im Seitenzahnbereich – sind eine Herausforderung für die Herstellung von ästhetischem Zahnersatz. Der in solchen Fällen häufig angezeigte Knochenaufbau wird von Patienten aufgrund der zusätzlichen operativen Belastung meist abgelehnt. Eine ausgesprochen gute Alternative zu operativen Eingriffen stellt hier das Profile EV-Implantat mit seiner abgeschrägten Implantatschulter dar. Es unterstützt den schrägen Verlauf des krestalen Knochens zirkulär und kann somit einem weiteren Knochenabbau wirkungsvoll vorbeugen. Die zusätzliche Verwendung individueller Abutments, die das Weichgewebe optimal unterstützen, kann auch in derartig schwierigen klinischen Situationen zu ausgesprochen ästhetischen Ergebnissen führen, wie der beschriebene Fall eindrücklich zeigt. Die individuelle Anlage des Kronenrands auf Höhe des Zahnfleischsaums oder nur marginal darunter ermöglicht eine vollständige Entfernung von Zementüberschüssen und damit eine ausgezeichnete Hygienefähigkeit, was dem Patienten als gute Prophylaxe für periimplantäre Entzündungen dient.

Abrechnung

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