Dr. Frank Zastrow
ANKYLOS, SYMBIOS

Innovativer Sinuslift mit neuartigem Augmentationsmaterial und Membran

Regenerative Lösungen mit SYMBIOS: Biphasisches Knochenersatzmaterial und langsam resorbierbare Collagen Membrane SR

ZUSAMMENFASSUNG

Patient:
Eine 53-jährige Patientin mit einer Schaltlücke im linken Molarenbereich wünschte eine festsitzende implantatgetragene Versorgung.
Herausforderung:
Ein hinreichender Aufbau von Knochensubstanz unter Anwendung des „Schichtprinzips“ sollte eine Positionierung der Implantate in regio 25 und 26 ermöglichen.

Behandlung:
Im linken Oberkiefer wurde eine Sinusbodenelevation vorgenommen. Dabei wurde der Knochendefekt mit langsam resorbierendem Knochenersatzmaterial und autologem Knochen aufgefüllt („Schichtprinzip“) und mit einer langsam resorbierenden Kollagenmembran abgedeckt. Die Implantate wurden in regio 25 und 26 gesetzt und anschließend mit verblockten metallkeramischen Kronen versorgt.

Bei der Rekonstruktion des Oberkiefer-Seitenzahnbereichs bei mangelndem Restknochenangebot muss häufig vom Behandler ein Augmentationsverfahren in Betracht gezogen werden, da insbesondere nach längerem Zahnverlust der Knochen atrophiert ist und kein ausreichendes Volumen für die sichere Verankerung von Implantaten zur Verfügung steht. Zur Schaffung eines ausreichend dimensionierten Implantatlagers kann eine Augmentation mit autologem Knochen, mit Knochenersatzmaterial oder einer Kombination beider Verfahren angezeigt sein. Häufig ist in diesen Fällen eine Sinusbodenelevation nötig, um eine ausreichende vertikale Knochenhöhe zu erreichen. Im vorliegenden Fall wurde das „Schichtprinzip“ bei der Sinusbodenelevation unter Verwendung von Knochenersatzmaterial in Kombination mit autologem Knochen angewendet. Ziel der Behandlung war es, neben einer langzeitstabilen prothetischen Versorgung mit gutem ästhetischem Ergebnis, die Volumenstabilität des Augmentats in der Heilungsphase sowie den möglichst vollständigen Umbau des Knochenersatzmaterials in eigenen vitalen Knochen sicherzustellen.

FALLBERICHT

Eine 53-jährige Patientin stellte sich mit einer Schaltlücke regio 25 und 26 in unserer Praxis vor. Sie wünschte eine festsitzende implantatgetragene Versorgung. Aufgrund der langjährigen Zahnlosigkeit stellte sich eine hochgradige Knochenatrophie und eine extrem stark pneumatisierte Kieferhöhle dar (Abb. 1 und 2). Als Zugang für die Sinusbodenelevation wurde ein vestibuläres Kieferhöhlenfenster angelegt und die Schneider‘sche Membran unter Knochenkontakt abpräpariert (Abb. 3 und 4). Mittels BoneCondensern wurde anschließend der Knochen regio 25 verdichtet, um eine bessere mechanische Festigkeit des Knochens zu erreichen und um eine ausreichende Primärstabilität des Implantats zu gewährleisten (Abb. 5). Um den Knochendefekt aufzufüllen, kam das „Schichtprinzip“ zur Anwendung, bei dem der kraniale Defektanteil mit einem neuen biphasischen, vollständig resorbierbaren Knochenersatzmaterial (SYMBIOS Biphasisches Knochenersatzmaterial) und der implantatnahe Bereich mit autologen Knochenspänen aus der Implantationsstelle aufgefüllt wurde (Abb. 6 und 7). Die Anordnung dieser beiden Materialien bewirkte, dass die Implantate weitgehend im eigenen Knochen verankert werden konnten. Das langsam resorbierende Knochenersatzmaterial schützte bei dieser Technik vor einer zu raschen Resorption durch den Druck in der Kieferhöhle.


KNOCHENERSATZMATERIAL

Das neue biphasische Knochenersatzmaterial enthält einen 80-prozentigen Trikalziumphosphat-Anteil (TCP) und einen 20-prozentigen Hydroxylapatit-Anteil (HA). TCP stellt das allmähliche Remodelling im vitalen Knochen sicher. HA sorgt während der Einheilphase zusammen mit der wabenartigen Struktur des Materials für eine ausreichende Volumenstabilität des Augmentats. Vor der Einbringung wurde das Material mit Eigenblut angemischt und nach der Koagulation des Bluts mit dem Einbringinstrument in den Defekt eingelagert (Abb. 8 bis 10). Abbildung 11 zeigt den nach dem Schichtprinzip gefüllten Sinus. Dieses Schichtverfahren mit einer Kombination aus Knochenersatzmaterial und autologem Knochen bietet den Vorteil, dass die Einheilzeit lediglich 3,5 bis 4 Monate beträgt, während bei ausschließlicher Verwendung von Knochenersatzmaterial acht bis neun Monate Einheilzeit bei wenig Restknochen veranschlagt werden müssen.


  • Abb. 1: CBCT der Ausgangssituation und Backward Planning
  • Abb. 2: Klinische Ausgangssituation
  • Abb. 3: Laterales Fenster für die Sinusbodenelevation
  • Abb. 4: Präparation der Schneider'schen Membran
  • Abb. 5: Knochenverdichtung regio 25
  • Abb. 6: Autologe Knochenspäne aus der Implantationsstelle
  • Abb. 7: Einbringen der Knochenspäne in die krestale Sinusregion
  • Abb. 8: Anmischen des biphasischen Knochenersatzmaterials mit Eigenblut
  • Abb. 9: Einbringen des präparierten Knochenersatzmaterials in die kraniale Sinusregion
  • Abb. 10: Augmentat im Operationsbereich
  • Abb. 11: Sinusbefüllung nach dem „Schichtprinzip“
  • Abb. 12: Implantat in regio 25
  • Abb. 13: Hydrierung der Membran in Kochsalzlösung
  • Abb. 14: Membran vor der Adaption
  • Abb. 15: Adaption der Membran an das Wundgebiet
  • Abb. 16: Fixierung der Membran mit Pins
  • Abb. 17: Adaptierte Membran in situ
  • Abb. 18 Spannungsfreier Wundverschluss
  • Abb. 19: Vollständig verknöcherter Operationsbereich bei Wiedereröffnung
  • Abb. 20: Knochenentnahme aus dem Implantationsgebiet mit der Trepanfräse
  • Abb. 21: Knochenverdichtung regio 26
  • Abb. 22: Implantatinsertion regio 26
  • Abb. 23: Eingebrachte Implantate
  • Abb. 24: Klinische Situation vor Freilegung des neu gebildeten Knochens
  • Abb. 25: Wiedereröffnung mit apikal mobilisiertem Verschiebelappen vier Monate nach Insertion von Implantat 26
  • Abb. 26: Gingivaformer in situ
  • Abb. 27: Panorama-Röntgenaufnahme nach Eingliederung der definitiven prothetischen Lösung
  • Abb. 28: ATLANTIS ISUS-Brücke
  • Abb. 29: Definitive prothetische Versorgung auf dem Situationsmodell
  • Abb. 30: Klinische Ansicht der finalen Prothetik

CHIRURGISCHES VORGEHEN

Das Im Anschluss an die Defektauffüllung wurde in regio 25 ein ANKYLOS-C/X-Implantat mit 3,5 mm Durchmesser und 11 mm Länge inseriert (Abb. 12). Zur Deckung des Defekts wurde eine SYMBIOS Collagen Membrane SR (slow resorbable) verwendet, deren Eigenschaften auf das Knochenersatzmaterial abgestimmt sind. Zur leichteren Adaptation an die anatomischen Gegebenheiten des Wundgebiets wurde sie für etwa fünf bis zehn Minuten in Kochsalzlösung hydriert (Abb. 13). Zur Stabilisierung wurde die Membran anschließend mit Pins im Knochen fixiert (Abb. 14 bis 17). Danach erfolgte der spannungsfreie Wundverschluss (Abb. 18).

Bei Wiedereröffnung des Wundgebiets nach 3,5 Monaten stellte sich der Operationsbereich vollständig verknöchert dar (Abb. 19). In regio 26 wurde daraufhin mit einer Trepanfräse neu gebildeter Knochen entnommen (Abb. 20) und später histologisch untersucht. Die Untersuchung ergab eine Knochenneubildung mit relativ wenig Anzeichen für Entzündungsreaktionen, wie sie bei einem Knochenumbau typisch sind. Anschließend wurde auch hier für eine bessere Primärstabilität der Knochen mittels BoneCondensern verdichtet und die Insertion des zweiten geplanten ANKYLOS-Implantats (Durchmesser 3,5 mm, Länge 11 mm) vorgenommen (Abb. 21 bis 23). Abbildung 24 zeigt regio 26 vier Monate nach der Implantatinsertion. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein Verschiebelappen nach apikal mobilisiert, um die keratinisierte Mukosa nach bukkal zu verlagern. Durch dieses Verfahren wird sichergestellt, dass die Mukosa um die Implantate herum fest und unbeweglich bleibt (Abb. 25 und 26). Auf dem postoperativen Röntgenbild ist die Lage der Implantate (Abb. 27) – exakt wie präoperativ geplant – und die leicht subkrestale Platzierung zu sehen.

PROTHETISCHE VERSORGUNG

Die definitive prothetische Versorgung wurde 9,5 Monate nach der Sinusbodenelevation eingegliedert. Abbildung 28 zeigt die CAD/CAM-gefertigte ATLANTIS ISUS-Brücke in regio 25 und 26. Die Zähne 24 und 27 wurden mit metallkeramischen Einzelkronen versorgt, während die Kronen auf den Implantaten regio 25 und 26 aus Stabilitätsgründen verblockt wurden. Die ATLANTIS ISUS-Brücke wurde mittels Balance-Base-Aufbauten auf den Implantaten verschraubt. Diese Lösung wurde gewählt, um das Risiko von Zementresten im Sulkus und das damit einhergehende Periimplantitis-Risko zu vermeiden (Abb. 29 und 30).

Abrechnung

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