Dr. Mischa Krebs | ZTM Thorsten Peter
ATLANTIS

Smart, sicher und effizient: Implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Kiefers

Das ATLANTIS Conus-Konzept im Praxisalltag

ZUSAMMENFASSUNG

Ein Grundsatz in der Alterszahnheilkunde ist es, bei prothetischen Maßnahmen der zunehmenden Multimorbidität einer älter werdenden Patientengruppe gerecht zu werden. Ein Zahnersatz sollte an die gerostomatologischen Bedürfnisse angepasst sein und der individuellen Gebiss- und Lebenssituation entsprechen. Hierfür sind Konzepte erforderlich, die eine einfache, aber zugleich sichere und stabile Lösung ermöglichen. Dazu gehört das nachfolgend vorgestellte ATLANTIS Conus-Konzept – OD (Overdenture) von DENTSPLY Implants.

Eine Vorgestellt wird das ATLANTIS Conus-Konzept für die effiziente Sofort- oder Spätversorgung eines zahnlosen Kiefers. Zunächst beschreibt der Autor das Prinzip dieser intelligenten implantatprothetischen Therapieoption und dokumentiert danach anhand eines Patientenfalls den möglichen Behandlungsablauf. Die adäquate Versorgung des zahnlosen Kiefers ist wahrscheinlich eine der häufigsten Herausforderungen, denen sich Zahnärzte in der Alterszahnheilkunde gegenübersehen. Die Entscheidung für eine Therapieart wird anhand vieler subjektiver Faktoren (Patientenerwartung, monetäre Gegebenheiten usw.) und objektiver klinischer Kriterien (anatomische Gegebenheiten usw.) getroffen. Im Sinne des nachhaltigen Therapieergebnisses ist eine eventuelle Multimorbidität ebenso zu bedenken wie der Patientenkomfort. Viele Patienten geben sich heutzutage nicht mehr mit einer klassischen Totalprothese zufrieden, sondern wünschen einen implantatgetragenen Zahnersatz, der ihre hohen Ansprüche an Funktion und Ästhetik erfüllt. Mit Implantaten kann die Stabilität und der Halt von Totalprothesen verbessert und somit der Tragekomfort deutlich erhöht werden. Doch welche Art der prothetischen Versorgung ist zu bevorzugen?

Auch hier sind die Bedürfnisse des Patienten einzubeziehen. Multimorbidität, eingeschränkte Geschicklichkeit, reduzierte Adaptationsfähigkeit, finanzielle Möglichkeiten – all diese Faktoren fließen in die Therapieplanung ein. Wir favorisieren in der Alterszahnheilkunde den abnehmbaren Zahnersatz. Für die Verankerung auf den Implantaten stehen verschiedene Attachments zur Verfügung, aus denen patientenspezifisch das jeweils am besten geeignete System gewählt werden muss.

DAS DOPPELKRONENKONZEPT MIT KONISCHEM ATTACHMENT

Eine Möglichkeit, um den abnehmbaren Zahnersatz mit den Implantaten zu verbinden, sind Doppelkronen. Präfabrizierte oder individuell gefertigte Primärteile werden auf die Implantate geschraubt und über Sekundärteile mit der Prothese verbunden. Diese Art der Versorgung gilt als eine bevorzugte Option, da sie vielerlei Vorteile bietet. Die Doppelkronen-Prothese ist einfach zu handhaben, kann gut gereinigt werden und gewährt einen festen Halt. Zudem ist diese Art des Zahnersatzes einfach umrüstbar und gut reparabel. Anzustreben ist grundsätzlich eine quadranguläre Abstützung mit einem möglichst großen Stützpolygon. Die klassisch vom Zahntechniker hergestellte Doppelkronen-Versorgung aus individuellen Primär- und Sekundärteilen sowie einem Tertiärgerüst kann als ein Königsweg beschrieben werden. Doch der hohe Aufwand lassen dieses Vorgehen aus wirtschaftlicher Sicht nicht immer zur optimalen Lösung werden.

Eine günstigere Variante sind konische Direktaufbauten nach dem SynCone-Konzept und die Versorgung mittels einer Deckprothese. Die Verankerung der Prothese auf den präfabrizierten konischen Abutments (Primärteile) erfolgt mit exakt dazu passenden Sekundärkronen (Konuskappen Degulor). Die Prothese wird durch die kraftschlüssige Verbindung der Conus-Abutments und -kappen fixiert, sitzt stabil und ist weitgehend frei von Mikrobeweglichkeit. Die intraorale Verklebung der Kappen in die Prothese sorgt für eine spannungsfreie Passung.

Bisher war die Anwendung der konfektionierten konischen SynCone-Kappen auf das ANKYLOS-Implantatsystem beschränkt. Seit einiger Zeit ist das bewährte System mit ATLANTIS Abutments kompatibel. Somit können alle gängigen Implantatsysteme mit diesem von DENTSPLY Implants entwickelten ATLANTIS Conus-Konzept versorgt werden.

DAS ATLANTIS CONUS-KONZEPT

Die Funktionsweise des ATLANTIS Conus-Konzepts basiert auf dem SynCone-System. Der Unterschied hierzu ist, dass die konischen Abutments (Primärteile) individuell im ATLANTIS-Fertigungszentrum hergestellt werden. Die individuellen Abutments sind so konfiguriert, dass sie das exakte Pendant zu den SynCone-Kappen bilden. Dieses durchdachte prothetische Therapiekonzept bildet die optimale Grundlage für die effiziente Herstellung von implantatgetragenen Deckprothesen (OD – Overdenture). Zudem können abnehmbare Brücken mit individuellen Designoptionen (Custom/individuell) hergestellt werden. Das Konzept dient sowohl der Sofort- als auch der Spätversorgung. Um Spannungsfreiheit zu gewährleisten, werden die Conus-Abutments intraoral mit den Implantaten verschraubt und danach die präfabrizierten Sekundärteile intraoral in den Zahnersatz eingeklebt. So erhält der Patient auf einfachem Weg eine „festsitzende“ herausnehmbare Deckprothese. Die prothetischen Arbeitsschritte beschränken sich auf ein Mindestmaß, was dieses Vorgehen in unserem Arbeitsalltag zusätzlich attraktiv werden lässt. Die Primärteile – patientenindividuelle ATLANTIS Conus-Abutments – werden vom ATLANTIS-Fertigungszentrum in der Standardgeometrie hergestellt und in eine einheitliche Einschubrichtung gebracht. Die Sekundärteile – SynCone-Goldkappen – sind präfabriziert und werden einfach in den Zahnersatz eingearbeitet. Wenn gewünscht, können diese auch in die vorhandene Prothese eingepasst werden. Wir haben mit diesem Konzept eine intelligente Lösung gefunden, Patienten mit zahnlosem Kiefer wirtschaftlich mit einem langzeitstabilen Zahnersatz sicher und ästhetisch zu versorgen.

  • Abb. 1: Der zahnlose Oberkiefer soll implantatprothetisch mit dem ATLANTIS Conus-Konzept Overdenture versorgt werden.
  • Abb. 2 und 3: Bone Split, Augmentation mit Knochenersatzmaterial und simultane Implantatinsertion nach entsprechendem Bohrprotokoll und simultane Augmentation mit Knochenersatzmaterial
  • Abb. 3
  • Abb. 4: Einbringen der Kollagenmembran
  • Abb. 5: Speicheldichter Nahtverschluss des Operationsgebiets
  • Abb. 6: Basal freigeschliffene Prothese als Interimsersatz während der Einheilphase
  • Abb. 7: Nach der Einheilphase
  • Abb. 8: Freilegung der vier Implantate und Aufbringen von Gingivaformern
  • Abb. 9: Nahtverschluss nach dem Einsetzen der Gingivaformer
  • Abb. 10 Beginn der prothetischen Phase
  • Abb. 11: Überabformung mit Repositionspfosten für die Herstellung des Meistermodells
  • Abb. 12: Die im Fertigungszentrum hergestellten ATLANTIS Conus-Abutments mit den präfabrizierten SynCone-Kappen
  • Abb. 13: ATLANTIS Conus-Abutment mit präfabrizierter SynCone-Kappe auf dem Meistermodell (mit Gingivamaske)
  • Abb. 14: Virtuelle Ansicht für die Konstruktion der Tertiärstruktur
  • Abb. 15: Die Umsetzung in Metall erfolgte CAD/CAM-gestützt.
  • Abb. 16: Das Tertiärgerüst mit den intraoral verklebten SynCone-Kappen diente zugleich der präzisen Bissregistrierung.
  • Abb. 17: Die fertiggestellte
    Deckprothese mit den intraoral
    verklebten ...
  • Abb. 18: ... SynCone-Kappen: Die gaumenfreie Gestaltung unterstützt den hohen Patientenkomfort zusätzlich.
  • Abb. 19: Die auf den Implantaten verschraubten ATLANTIS Conus-Abutments werden die Deckprothese sicher und stabil tragen.

PATIENTENFALL

Im vorgestellten Fall konsultierte uns die Patientin mit dem Wunsch nach einer neuen prothetischen Versorgung des zahnlosen Oberkiefers (Abb. 1). Bis dato trug sie eine konventionelle Totalprothese, welche allerdings aufgrund einer hohen Mobilität nicht ihren Ansprüchen entsprach. Der Unterkiefer war mit einer Kombinationsprothese suffizient versorgt. Bei einem Beratungsgespräch wurde deutlich, dass die Patientin einen möglichst einfachen Therapieweg präferierte. Aufgrund des begrenzten Knochenangebotes war jedoch eine Augmentation unvermeidbar. Es wurde ein einzeitiges Vorgehen (simultane Augmentation) und eine Spätversorgung mit einer Deckprothese nach dem ALTANTIS Conus-Konzept Overdenture angestrebt.

CHIRURGISCHE PHASE

Nach einer klinischen Diagnostik wurden für den zahnlosen Oberkiefer vier Implantate geplant und nach der Freilegung des Kieferkamms inseriert (Abb. 2). Für eine ausreichende Kräfteverteilung der prothetischen Versorgung wurden die Implantate strategisch so im Kiefer verteilt, dass eine quadranguläre Abstützung erreicht werden konnte. Die Implantation erfolgte simultan mit einem Bone Splitting und einer Augmentation mit Knochenersatzmaterial. Das Augmentat wurde dann mit einer resorbierbaren Kollagenmembran abgedeckt (Abb. 3 und 4). Nach einer sorgfältigen Reposition des Lappens erfolgte der spannungsfreie Nahtverschluss (Abb. 5). Für die Zeit der gedeckten Einheilung wurde die vorhandene Totalprothese von basal freigeschliffen (Abb. 6). Nach drei Monaten konnte die Situation freigelegt und die Gingivaformer eingesetzt werden (Abb. 7 bis 9).

PROTHETISCHE PHASE

Zum Zeitpunkt der prothetischen Phase präsentierten sich ein ausgeheiltes Weichgewebe und osseointegrierte Implantate (Abb. 10). Für die Übertragung der Mundsituation in das Labor wurden Repositionspfosten auf die Implantate gebracht und eine geschlossene Abformung vorgenommen (Abb. 11). Der Zahntechniker erstellte ein Meistermodell mit Zahnfleischmaske und orderte im ATLANTIS-Fertigungszentrum die Implantataufbauten (ATLANTIS Conus-Abutments). Hierfür wurden auf der webbasierten Plattform ATLANTIS-WebOrder die patientenspezifischen Daten angelegt und vier individuelle Abutments bestellt. Nach einer Kontrolle des Designvorschlags (erstellt vom Fertigungszentrum) und der Freigabe der virtuellen Konstruktion unsererseits wurden die ATLANTIS Conus-Abutments in Titan umgesetzt.

Die nach industriellen Standards gefertigten ATLANTIS Conus-Abutments dienten nun zugleich als Primärteile. Die Passung auf den Implantaten war erstklassig und bedurfte keiner Nacharbeit (Abb. 12 und 13). Die Aufbauten wiesen untereinander keine Divergenzen auf. Auf die im Implantatmodell verschraubten Abutments wurden die konfektionierten SynCone-Kappen (Sekundärteile) aufgesetzt und das Modell mit dem Laborscanner digitalisiert. Im CAD/CAM-gestützten Vorgehen erfolgte die Herstellung einer Tertiärstruktur (Abb. 14 und 15). Nach einer Einprobe im Patientenmund wurden die SynCone-Kappen definitiv in der Struktur verklebt. Die intraorale Verklebung garantiert die unverzichtbare Spannungsfreiheit. Die Tertiärstruktur diente jetzt als Basis für die präzise Bissregistrierung (Abb. 16). Im Labor wurde diese Konstruktion auf einfachem Weg und mit überschaubarem Aufwand verblendet und fertiggestellt. Das Ergebnis war eine natürlich wirkende gaumenfreie Deckprothese.

Die Ein- und Ausgliederung der Deckprothese mit den SynCone-Kappen auf den konischen Primärteilen gestaltete sich komfortabel. Der feste Halt der Prothese überzeugte die Patientin ebenso wie die ästhetisch-funktionelle Gestaltung. Die prothetische Versorgung für die vier Implantate im zahnlosen Oberkiefer konnte auf unkompliziertem Weg realisiert werden (Abb. 17 bis 19). Die Patientin hatte sich eine sichere und stabile implantatprothetische Versorgung zu einem überschaubaren Kostenverhältnis gewünscht. Das ATLANTIS Conus-Konzept OD (Overdenture) war für sie die optimale prothetische Therapieoption.

FAZIT

Grundsätzlich erachten wir die ATLANTIS Conus-Abutments mit den präfabrizierten 5-Grad-Konuskappen (SynCone) als einen hochwertigen Lösungsweg gegenüber Locatoren. Andererseits ist das Vorgehen eine adäquate Alternative zur kostenintensiven Teleskopversorgung. Die kraftschlüssige Konusverbindung gewährt eine hohe mechanische Stabilität, sodass die Prothese als herausnehmbare Brücke (Deckprothese) gestaltet werden kann. Das vorgestellte Konzept hat sich in unserem Arbeitsalltag etabliert. Wir können älteren Patienten mit gutem Gefühl einen Zahnersatz anbieten, der den gerostomatologischen Bedürfnissen gerecht wird. Zugleich werden die individuellen Wünsche berücksichtigt. Das ATLANTIS Conus-Konzept ist eine einfache, sichere und stabile Lösung für die implantatprothetische Versorgung des zahnlosen Kiefers.

Abrechnung

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