ZT Uli Hauschild | Dr. Sébastien Rousset
ATLANTIS, SIMPLANT, ANKYLOS

Neue funktionelle und ästhetische Möglichkeiten der computergestützten Implantologie

Das Konzept der abgewinkelten Schraubenzugänge von ATLANTIS ISUS ASA

ZUSAMMENFASSUNG

Patient:
Die 41-jährige Patientin hat einen unbezahnten Oberkiefer und ist mit ihrer herausnehmbaren Prothese unzufrieden. Sie wünscht sich eine festsitzende Restauration mit Sofortversorgung zur Wiederherstellung der Kaufunktion und der Ästhetik.
Herausforderung:
Die Sofortversorgung der Patientin mit einer festsitzenden Zahnrestauration im Oberkiefer stellt bei spongiöser Knochenqualität eine hohe Anforderung dar. Außerdem erschweren ungünstige Implantatpositionen das Ziel eines guten ästhetischen Ergebnisses.
Behandlung:
Mithilfe der SIMPLANT-Software wird die Platzierung von acht Implantaten geplant, für die eine verschraubte Brücke vorgesehen ist. Um ein zufriedenstellendes ästhetisches Ergebnis zu erzielen, sind die Schraubkanäle der definitiven Versorgung – der ATLANTIS ISUS-Brücke – abgewinkelt.

Eine neue Entwicklung aus dem Hause DENTSPLY Implants ist das Konzept des Angulated Screw Access, kurz ASA, für ATLANTIS ISUS-Brücken- und Hybridstrukturen. Dieses Konzept eröffnet neue funktionelle und ästhetische Möglichkeiten im Bereich des verschraubbaren Zahnersatzes. Es erlaubt die Herstellung eines bis zu 30 Grad zur Implantatachse abgewinkelten Schraubkanals, wodurch verschraubter Zahnersatz funktioneller und ästhetischer gestaltet werden kann.

Der hier vorgestellte Fall zeigt die einzelnen Behandlungsschritte – von der Implantatpositionierung bis zur Erstellung einer verschraubten Brücke – und vergleicht die beiden Ergebnisse mit und ohne Nutzung des neuen Konzepts ASA. Während das Provisorium herkömmlich verschraubt wurde, erzielt die definitive Arbeit drei Monate später ein wesentlich besseres ästhetisches Ergebnis, das ausschließlich auf der Verlagerung der Schraubenzugänge beruht. Die Implantatposition bleibt dabei unverändert.

Aufgrund der vorhandenen Knochendichte ist es nicht immer möglich, das Implantat an der prothetisch bestmöglichen Stelle zu setzen. Ungünstige Implantatachsen erschweren die Herstellung der Prothetik und beeinflussen maßgeblich das funktionelle und ästhetische Ergebnis der Rekonstruktion. Die Einführung der computergestützten Implantologie hat dies grundlegend verändert. Die Stärke dieser Technik ist die Ressourcenoptimierung durch eine präzise Vorabplanung und Simulation des Behandlungsverlaufs. Gerade deshalb passt ATLANTIS ISUS ASA gut in dieses Konzept. Bei gleichbleibender Implantatposition können – nur durch die Verlegung der Schraubkanäle – Platzverhältnisse optimiert werden, was weitreichende Konsequenzen für das Ergebnis hat. Die Anwendung von ATLANTIS ISUS ASA kann in zahlreichen Fällen für die Wahl einer verschraubbaren Prothetik sprechen, in denen das ästhetische und funktionelle Ergebnis andernfalls nicht optimal wäre.

  • Abb. 1a: Abgewinkelter Schraubenzugang
  • Abb. 1b: Geradliniger Schraubkanal

DAS KONZEPT: ATLANTIS ISUS Angulated Screw Access (ASA)

Der Bei der Herstellung eines Titangerüsts mittels CAD/CAM-Technologie bei einer verschraubten Prothese erlaubt das neue Konzept ATLANTIS ISUS ASA einen bis zu 30 Grad zur Implantatachse abgewinkelten Schraubenzugang. Bei diesem Konzept kommt ein spezieller Hexaglobular-Schraubendreher zum Einsatz sowie Schrauben, die mit Ausnahme der Schraubenkopffläche dem Original entsprechen. Auf diese Weise lassen sich die Schraubkräfte selbst dann auf die Schraubenachse übertragen, wenn das Schraubwerkzeug in einem Winkel angesetzt wird. Die Abbildung 1a veranschaulicht, wie eine Implantatschraube in einem abgewinkelten Kanal zugänglich bleibt und verdeutlicht den Unterschied zu einem geradlinigen Schraubkanal (Abb. 1b).

KLINISCHER FALL

Die 41-jährige Patientin hat seit dem Alter von 26 Jahren einen unbezahnten Oberkiefer und wünscht sich eine festsitzende Restauration mit Sofortversorgung. Es besteht keine Kontraindikation für eine implantatprothetische Versorgung. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen die klinische und röntgenologische Ausgangssituation.Der Behandlungsplan folgt den Kriterien der computergestützten Implantologie für festverschraubte Brücken. Nach einer Bissregistrierung (Abb. 4) wird im Labor eine Ästhetikanprobe gefertigt, die anschließend im Mund der Patientin geprüft wird. Auf dieser Basis wird die Röntgenschablone (Abb. 5) angefertigt. Die Daten des darauf folgenden CT-Scans werden in die SIMPLANT-Software  übertragen, die jetzt die definitive prothetische Zahnposition simuliert (Abb. 6).

  • Abb. 2: Klinische Ausgangssituation
  • Abb. 3: Röntgenologische Ausgangssituation
  • Abb. 4: Bissregistrat im Mund der Patientin
  • Abb. 5: Eingegliederte Röntgenschablone
  • Abb. 6: Simulation der Zahnaufstellung in der SIMPLANT-Software
  • Abb. 7 und 8: DVT-Diagnostik des Knochenvolumens und Implantatplanung
  • Abb 8
  • Abb. 9: Planung der Implantatpositionen
  • Abb. 10: Überlagerung des Weichgewebes und Implantatpositionen
  • Abb. 11: Austrittsstellen der Schraubkanäle in der geplanten Zahnaufstellung
  • Abb. 12: Geplante Bohrschablone
  • Abb. 13: Planungsdatei als digitales Immediate-Smile- Modell zum Einlesen in eine CAD/CAM-Software

IMPLANTATPLANUNG

Die Abbildungen 7 und 8 zeigen die Ausschnitte der DVT-Aufnahmen, die eine schichtweise Auswertung ermöglichen und somit eine sehr genaue Knochendiagnose des geplanten Implantatsitus zulassen. Die Patientin hat prinzipiell ein gutes Knochenvolumen (Abb. 9), jedoch ist die Breite des Kieferkamms unterhalb des Sinus nicht immer ausreichend (Abb. 7 und 8). Ziel ist, die acht Implantate möglichst parallel zu setzen. Die später aufgeschraubte Brücke soll die ursprüngliche Position der natürlichen Zähne einnehmen. Die Daten der Röntgenschablone werden nach dem CT-Scan in der SIMPLANT-Software mit den aktuellen Daten übereinandergelegt (gematched), um die ideale Implantatposition zu ermitteln und den ursprünglichen Zahnfleischverlauf zu berücksichtigen (Abb. 10). Der Zahnarzt lässt sich hierbei von dem gewünschten prothetischen Ergebnis leiten und wählt die Implantatposition auch nach den bestmöglichen ästhetischen Gesichtspunkten aus (Abb. 11).

HERSTELLUNG DES PROVISORIUMS

Die Positionen der ANKYLOS-Implantate werden mithilfe der SIMPLANT-Software geplant und so errechnet, dass die Implantatachsen möglichst gerade sind. Die Balance-Base-Aufbauten werden ausgewählt und die SIMPLANT-Bohrschablone (Abb. 12) bestellt. Immediate Smile Digital ermöglicht die Weiterverarbeitung der Planungsdatei (Abb. 13) und die Herstellung der provisorischen Brücke (Abb.14 bis 16). Während die SIMPLANT-Bohrschablone angefertigt wird, fräst das Labor mithilfe von Immediate Smile Digital ein 3D-Modell, das Zahnfleisch und Abutmentposition simuliert (Abb. 15). Auf dieser Basis wird dann das Provisorium (Abb. 16) angefertigt. Um der Sofortbelastung gerecht zu werden und eine Verblockung der Implantate zu gewährleisten, besteht dieses Provisorium aus einem Metallgerüst und wird mit Komposit verblendet.

  • Abb. 14: Provisorische Brücke auf dem Modell
  • Abb. 15: Okklusale Ansicht des Provisoriums
  • Abb. 16: Vestibuläre Ansicht
  • Abb. 17: Bohrschablone in situ
  • Abb. 18: Inserierte Implantate
  • Abb. 19: Eindrehpfosten auf den Implantaten
  • Abb. 20: Ansicht nach Entfernung der Eindrehpfosten
  • Abb. 21: Röntgenkontrolle nach Implantatinsertion
  • Abb. 22: Planung der Implantatpositionen vor der Insertion
  • Abb. 23: Verschraubung des Provisoriums im Mund
  • Abb. 24: Vestibuläre Ansicht des eingegliederten Provisoriums
  • Abb. 25: Aufgebrachte Abformpfosten
  • Abb. 26: Basale Ansicht der
    Abformung
  • Abb. 27: Modell mit Zahnfleischmaske
  • Abb. 28: 3D-Ansicht des Zahnfleischmaskenmodells im ISUS-Viewer
  • Abb. 29: Übertragung der Ästhetikanprobe in die digitale Ansicht
  • Abb. 30: Nach okklusal/palatinal verlegte Schraubenzugänge
  • Abb. 31: Modellation der Verbinder mit der Konstruktionssoftware
  • Abb. 32: Modellation der Verbinder mit der Konstruktionssoftware von palatinal
  • Abb. 33: Optimale Ausrichtung der Schraubenzugänge für die Gerüstunterstützung
  • Abb. 34: Kontrolle der Verblendwandstärke in der 2D-Ansicht im ISUS-Viewer
  • Abb. 35: Das gefräste Gerüst auf dem Modell
  • Abb. 36: Schraubenzugänge und Eindrehinstrument
  • Abb. 37: Vestibuläre Gerüstansicht auf dem Modell
  • Abb. 38: Fertige Brücke vor Eingliederung
  • Abb. 39: Eingegliederte Brücke von rechts
  • Abb. 40: Eingegliederte Brücke von links
  • Abb. 41a: Röntgenkontrolle der eingegliederten Restauration
  • Abb. 41b bis d: Röntgenkontrolle der eingegliederten Restauration
  • Abb. 41c

CHIRURGIE

Zu Beginn des Eingriffs wird die SIMPLANT-Schablone auf dem Zahnfleisch positioniert und mit vier Osteosyntheseschrauben gesichert (Abb. 17). Jetzt werden die acht ANKYLOS-Implantate mit 3,5 mm Durchmesser und einer Länge von 8 beziehungsweise 11 mm nach dem bekannten Protokoll gesetzt (Abb. 18). Nach dem Abnehmen der Schablone wird die Primärstabilität überprüft und eventuell verbessert. Die Eindrehpfosten (Abb. 19) werden entfernt und die Balance-Base-Aufbauten je nach Zahnfleischstärke ausgewählt (Abb. 20). Der Vergleich der vorab erstellten Simulation mit der Panorama-Aufnahme nach der Implantation veranschaulicht die Präzision des Verfahrens (Abb. 21 und 22).

DIE DEFINITIVE BRÜCKE

Das Provisorium wurde nach herkömmlicher Technik hergestellt und verschraubt (Abb. 23). Die Platzverhältnisse ließen bei der Herstellung kein kleineres Provisorium zu. Die Patientin fand jedoch die Zähne zu groß und den Zahnkreis zu weit nach außen gestellt (Abb. 24). Nach drei Monaten wurde das Provisorium entfernt und die Osseointegration überprüft. In die Implantate wurden zur Anwendung der offenen Löffeltechnik Abformpfosten geschraubt, und ein Abdruck wurde erstellt (Abb. 25 und 26). Anschließend wurde unter Verwendung einer Zahnfleischmaske ein Meistermodell hergestellt und gescannt (Abb. 27 und 28). Zur Korrektur des Zahnbogens und der Zahnform prüften wir die definitive Zahnaufstellung mittels einer Ästhetikanprobe, um für die Herstellung des endgültigen Gerüsts eine optimale Basis zu schaffen (Abb. 29). Um das ästhetische Ergebnis zu optimieren, setzten wir bei der Herstellung der definitiven Arbeit das neue Schraubwerkzeug von ATLANTIS ISUS ASA ein. Wie anfänglich beschrieben, erlaubt es den Zugang zur Implantatschraube auch bei abgewinkeltem Schraubenzugang. Dies bedeutet in unserem Fall eine Platzoptimierung im Winkel der Zahnstellung. Abbildung 30 zeigt den verlegten Schraubkanal, der vorher im Inzisalsaum der Frontzähne lag. Der Zahnkranz kann auch im Seitenzahnbereich verkleinert werden, da die Schraubkanäle hier nun ins Zentrum der Kauflächen verlegt werden können. Die hieraus resultierende definitive Arbeit erzielt im Vergleich zu dem Provisorium ein um ein Vielfaches verbessertes ästhetisches und funktionelles Ergebnis bei identischer Implantatposition. Die Abbildungen 31 bis 34 veranschaulichen das computerunterstützte Design mit der 3D-Software in der Produktionsstätte von DENTSPLY Implants. Das definitive Titangerüst wird in der Software modelliert und anschließend gefräst (Abb. 35 bis 37). Danach kann das Gerüst im Labor mit Komposit verblendet und fertiggestellt werden (Abb. 38).

  • Abb. 42 Frontalansicht der finalen Restauration

FAZIT

Das Konzept ATLANTIS ISUS ASA vervielfältigt ästhetische und funktionelle Möglichkeiten bei verschraubten Implantatbrücken durch die Verlegung von Schraubkanälen (Abb. 39 und 40). DENTSPLY Implants ermöglicht jetzt den Zugriff auf die Schrauben prothetischer Versorgungen mit einem Winkel von bis zu 30 Grad zur Implantatachse. Abbildungen 41a bis d zeigen die epikrestale Platzierung der acht ANKYLOS-Implantate. Die Verwendung von ATLANTIS ISUS ASA begünstigt bei der Behandlungswahl in vielen Fällen die Entscheidung für eine verschraubte Implantatbrücke. ATLANTIS ISUS ASA passt perfekt in das Prinzip der computergestützten Implantologie und ist somit ein weiterer neuer Schritt in Richtung Ressourcenoptimierung (Abb. 42).

Abrechnung

Hier können Sie diesen Fallbericht mit Abrechnungsbeispiel als PDF herunterladen.
Download PDF mit Abrechnung