Dr. Henrike Rolf, M.Sc. | Dr. Martin Christiansen
XiVE

Sofortversorgung eines zahnlosen Unterkiefers

Festsitzende Versorgung mit einer vorhandenen Prothese nach dem WeldOne-Konzept

ZUSAMMENFASSUNG

Patient: Eine Patientin mit zahnlosem Unterkiefer und einer schleimhautgetragenen Vollprothese stellte sich mit dem Wunsch nach einer stabilen, festsitzenden Versorgung des Kiefers vor.
Herausforderung: Anwendung der intraoralen Schweißtechnik zur Integration eines Titangerüsts in eine vorhandene Prothese am Tag der Implantatinsertion.
Behandlung: Die Patientin erhielt eine festsitzende temporäre Restauration, die durch ein intraoral verschweißtes Titangerüst verstärkt wurde. Die Abutments wurden in die Implantate geschraubt und durch intraorales Schweißen mit einem Titandraht verblockt. Dann wurde das fertige Gerüst zur Verstärkung in die Prothese einpolymerisiert. Mit diesem Verfahren können hohe Kosten für eine vollständig neue prothetische Versorgung vermieden werden.2

Die zunehmend bessere Aufklärung der Patienten über die Möglichkeit von Implantatversorgungen und die immer geringere Akzeptanz, eine schlecht sitzende Vollprothese zu tragen, hat dazu beigetragen, dass immer mehr Patienten implantatgestützte festsitzende Versorgungen wünschen – auch Patienten, die sich „High-end”-Restaurationen finanziell nicht leisten können.3,4

Ein Für diese Patienten kann das WeldOne-Konzept eine erschwingliche Restauration direkt am Behandlungsstuhl bedeuten. 2006 stellten Degidi et al. ein Protokoll für die Sofortbelastung mehrerer Implantate durch intraorales Verschweißen eines Titandrahts mit speziellen Implantatabutments vor, um eine metallverstärkte, individuelle Sofortversorgung zu erreichen.5

MATERIAL UND METHODE

Die Patientin wird seit 15 Jahren in unserer Praxis behandelt; seit acht Jahren hat sie zwei Implantate und eine Teleskop-Prothese im Oberkiefer und ist sehr zufrieden mit dieser Versorgung. Im Unterkiefer trägt die Patientin eine Totalprothese, die etwa zwölf Jahre alt ist und aufgrund ihrer Alveolarkammatrophie nicht mehr zufriedenstellend funktioniert. Die Patientin, eine Rentnerin, bat um eine erschwingliche festsitzende Versorgung. Zu Planungs- und Beratungszwecken wurde eine präoperative Panorama-Röntgenaufnahme angefertigt (Abb. 1). Da die Patientin nicht auf ihre Prothese verzichten wollte, aber trotzdem eine festsitzende Versorgung wünschte, wurde die Implantatrestauration nach dem WeldOne-Konzept geplant. Im dritten und vierten Quadranten wurde der nervus alveolaris inferior am foramen mentale lokal anästhesiert (2 % Articain, Adrenalin 1:100.000). Die Implantatstellen wurden auf beiden Seiten jeweils durch eine krestale Inzision in regio 3 und 4 sowie eine trapezförmige Entlastungsinzision freigelegt. Der Mukoperiostlappen wurde vollständig abgeklappt und der Alveolarkamm freigelegt. Die Schnittführung wurde so angelegt, dass die Mukosa zwischen den geplanten Insertionsstellen erhalten blieb. Ein zylindrisches Schraubenimplantat mit sandgestrahlter und säuregeätzter Oberfläche sowie einer Innensechskantverbindung (XiVE, Durchmesser 3,8 mm) wurde jeweils in regio 33, 34, 43 und 44 gesetzt (Abb. 2).

Während der Implantatinsertion wurde das Eindrehmoment mit einer chirurgischen Einheit festgelegt (FRIOS-Unit, W&H Dentalwerk GmbH, Bürmoos). Die vier Implantate waren bei einem Drehmoment von 35 Ncm primärstabil. Infolge der reduzierten Beweglichkeit der Implantate durch die starre Verblockung kann die Gefahr von Misserfolgen während der Einheilphase minimiert werden – und die Therapie mit Sofortbelastung wird sicher und vorhersagbar.

Temporäre XiVE-Schweißaufbauten und die entsprechenden Halteschrauben wurden in die Innensechskantverbindung der Implantate gesetzt (Abb. 3).
Nach Herstellerangaben sollte für Abstände zwischen Welding-Abutments bis zu 8 mm ein Titandraht mit 1,5 mm Durchmesser und für Abstände von 8 bis 15 mm ein Titandraht mit 2,0 mm Durchmesser verwendet werden. Wir wählten einen Draht mit 2,0 mm Durchmesser. Unter Berücksichtigung des horizontal und vertikal verfügbaren Platzes bogen wir den Draht mit dem Instrument für weite Biegungen (Soft Curver) und dem für enge Biegungen (Sharp Curver) (IOW-Kit, Ustomed Instrumente, Tuttlingen), bis er passiv an den Aufbauten ausgerichtet war, um spalt- und spannungsfrei verschweißt zu werden. Der Titandraht wurde in dieser Position gehalten und die Schweißklemme des WeldOne-Geräts an dem Aufbau angebracht, der am einfachsten zugänglich war. In unserem Fall wurde darauf geachtet, die Klemme in regio 33 so zentral und vertikal wie möglich am Aufbau zu fixieren.

Das Schweißgerät wurde entsprechend des Titandrahts mit Stärke 2,0 mm auf den Schweißparameter „high“ (hoch) eingestellt und der Schweißimpuls durch Drücken des Schalters „weld“ (schweißen) und Betätigen des Fußpedals ausgelöst. Eine zusätzliche Kühlung kann angewendet werden.

Nach dem Schweißen wurde die Schweißklemme noch etwa drei Sekunden belassen, um mögliche Resthitze über die Elektroden abzuleiten. Anschließend wurde die Schweißklemme geöffnet und entfernt. Dann wurden die drei übrigen Schweißverbindungen in gleicher Weise ausgeführt. Um den präzisen Sitz der Konstruktion zu kontrollieren, wurden die Halteschrauben entfernt und ein Sheffield-Test durchgeführt (Abb. 4).

Wir entfernten das Titangerüst aus dem Mund der Patientin. Zusätzliche Retentionen wurden extraoral mit einem Titandraht der Stärke 1,5 mm und mit dem Schweißparameter „medium“ angebracht. Das Titangerüst wurde bearbeitet, mit einer Diamant-Trennscheibe gekürzt und dann durch Abstrahlen gereinigt und mit Opaker mattiert. Der spannungsfreie Sitz wurde nochmals im Mund der Patientin überprüft, und das Gerüst wurde dann mit einer einzelnen, leicht zugänglichen Halteschraube in der Mundhöhle fixiert. In der Zwischenzeit wurde die vorhandene Prothese von basal großzügig ausgeschliffen. In der Mundhöhle wurde die Position der Konstruktion inspiziert, um Spannungen oder Störungen zu vermeiden. Auf die vorbereitete und ausgeschliffene Prothese wurde Haftvermittler aufgebracht und mit Unterfütterungsmaterial gefüllt. Dann wurde sie über das verschraubte Titangerüst gesetzt und der Kunststoff polymerisiert. Nach Aushärtung des Unterfütterungsmaterials wurde die eingesetzte Halteschraube gelöst und die gesamte Prothese herausgenommen. Bei der anschließenden Ausarbeitung der Prothese erhielt die Basis ein Pontic-Design, um die Hygienemaßnahmen zu erleichtern.

Während der Fertigstellung der Prothese im Labor wurden die Wunden mit 5.0 Gore-Nahtmaterial verschlossen. Die fertiggestellte prothetische Versorgung wurde mit den Halteschrauben mit einem Sechskantschraubendreher 1,22 und einem Drehmoment von 24 Ncm eingeschraubt. Die Zugangskanäle wurden mit lichthärtendem Komposit verschlossen. Die Okklusion wurde geprüft und feinjustiert. Der Patientin wurde für vier Wochen nach der Operation weiche Kost empfohlen; sie erhielt ein Schmerzmittel zur Einnahme nach Bedarf sowie eine Chlorhexamed-Spüllösung zur Anwendung drei bis vier Mal täglich. Darüber hinaus erhielt sie detaillierte Anweisungen zur Mundhygiene. Eine Woche später wurden die Nähte nach Abschrauben der Prothese entfernt und die Wunde inspiziert. Die Wundregion zeigte sich im Rahmen der Heilungsphase frei von Irritationen. Die Abbildungen 5 und 6 zeigen die final eingesetzte Restauration.

  • Abb. 1: Präoperative Panorama-Röntgenaufnahme
  • Abb. 2: Vier XiVE-Implantate wurden in regio 33, 34, 43 und 44 gesetzt.
  • Abb. 3: Temporäre XiVE-Schweißaufbauten auf den Implantaten
  • Abb. 4: Der fertig geschweißte Draht wird auf spannungsfreien Sitz geprüft.
  • Abb. 5: Die fertiggestellte und eingesetzte Prothese
  • Abb. 6: Die zufriedene Patientin mit der finalen Versorgung

FAZIT

Das 1979 erstmals von Ledermann beschriebene Konzept einer steggestützten Sofortbelastung von Zahnimplantaten hat auch heute noch seine Berechtigung.6 Die Patientin wurde mit einer festsitzenden temporären Restauration unter Verwendung ihrer vorhandenen Prothese versorgt, mit der sie sehr zufrieden war. Sie erhielt eine stabile und erschwingliche Versorgung für ihren zahnlosen Unterkiefer. Es ist möglich, zahnlose Patienten durch Verwendung der mit einem intraoral geschweißten Titangerüst verstärkten vorhandenen Prothese noch am Tag des Eingriffs mit einer haltbaren temporären oder definitiven festsitzenden Restauration zu versorgen.7 In diesem Fall verwendeten wir temporäre Abutments für das geschweißte Gerüst, da die Patientin innerhalb der nächsten zwei Jahre eine neue prothetische Rekonstruktion wünschte. Es können mit der beschriebenen Technik und Verwendung von Schweißhülsen für MP-Abutments jedoch auch dauerhafte Restaurationen hergestellt werden, wenn innerhalb der nächsten Jahre keine neue Prothese geplant ist. Die Anfertigung eines intraoral geschweißten und stabilen Titangerüsts am Behandlungsstuhl in Kombination mit einem Sofortbelastungsansatz ermöglicht Resultate, die zuvor nicht möglich waren. Durch Verwendung dieses Konzepts können hohe Kosten für prothetische Versorgungen vermieden werden. Angesichts der kontinuierlich alternden Bevölkerung können Patienten, die bislang nicht von einem qualitativ hochwertigen implantatgestützten Zahnersatz profitieren konnten, ausreichend versorgt werden und erhalten so ebenfalls eine gute orale Rehabilitation.

Abgesehen von absoluten medizinischen Kontraindikationen und der Angst vor der Operation, ist der Hauptgrund, warum sich viele Patienten nicht für implantatgestützte Rekonstruktionen entscheiden, der Kostenfaktor. Das oben beschriebene Konzept eröffnet einem Teil dieser Patientengruppe die Möglichkeit einer solchen Versorgung, ohne einen Qualitätsverlust der Restauration befürchten zu müssen.

Andere Arten von Implantatversorgungen behalten weiterhin ihre Berechtigung. Die Autoren sehen die hier dargestellte prothetische Versorgung als Ergänzung zu anderen etablierten Verfahren, die bereits in der Literatur beschrieben wurden.

Abrechnung und Literatur

Hier können Sie diesen Fallbericht mit Abrechnungsbeispiel und Literaturnachweis als PDF herunterladen.
Download PDF mit Abrechnung

    Dr. Henrike Rolf

    mare Z – Manufaktur für regenerative Zahmedizin, Buxtehude/Seevetal
    www.marez.de

    Dr. Martin Christiansen